Warum das wichtig ist
Die häufigste Reaktion auf eine verdächtige E-Mail ist Löschen. Das ist besser als Klicken — aber es ist nicht gut genug. Verdächtige E-Mails sind forensische Artefakte. Sie enthalten Informationen über den Angreifer: verwendete Infrastruktur, Zielsetzung, Absende-Domain. Wer löscht, vernichtet Beweismittel.
Noch wichtiger: Die meisten Phishing-Kampagnen sind kein Einzel-Schuss. Wenn ein Angreifer eine Phishing-Mail an Ihre Firma sendet, erhält sie typischerweise dutzende bis hunderte Mitarbeitende gleichzeitig. Wer als Erster meldet, gibt der IT-Sicherheit die Chance, die E-Mail bei allen anderen zu löschen — bevor der eine Klick passiert.
Melden ist kein Zeichen von Unsicherheit. Es ist der wertvollste Sicherheitsbeitrag, den ein Mitarbeitender leisten kann.
So machen Sie es richtig
Nicht klicken, nicht antworten
Auch ein 'Abmelden'-Link in einer Spam-Mail kann schädlich sein. Nichts anklicken — nicht einmal, um zu bestätigen, dass die E-Mail Phishing ist.
Den richtigen Kanal nutzen
Nutzen Sie den 'Phishing melden'-Button in Ihrem E-Mail-Client (Outlook, Gmail), nicht 'Als Spam markieren'. Der Spam-Button hilft dem Spam-Filter — der Phishing-Button informiert Ihr IT-Sicherheitsteam.
Vollständige Header beibehalten
Wenn Sie eine E-Mail weiterleiten (an security@, IT, CERT), leiten Sie sie als Anhang weiter — nicht als normalen Text. Nur so bleiben die E-Mail-Header erhalten, die für die Analyse entscheidend sind.
Screenshot erst nach der Meldung
Einen Screenshot der verdächtigen E-Mail zu machen ist hilfreich — aber erst nachdem Sie sie gemeldet haben. Der Screenshot hilft bei Rückfragen aus dem IT-Team.
Auch Fehlalarme melden
Wenn Sie sich nur 50% sicher sind: melden Sie trotzdem. Fehlalarme kosten 3 Minuten IT-Zeit. Ein verpasster Angriff kostet Tage oder Wochen Incident-Response.
Tools, die wir empfehlen
- Microsoft 365 'Phishing melden'-Button — im Outlook-Ribbon verfügbar; meldet direkt an Microsoft Defender und optional Ihr eigenes SOC; konfigurierbar über Exchange Admin Center
- Google Workspace 'Phishing melden' — über drei-Punkte-Menü neben Antworten; leitet an Google-Filter und optional an Ihre IT-Abteilung weiter
- Outlook PhishHook Add-in (Drittanbieter) — ermöglicht ein-Klick-Meldung mit automatischer Benachrichtigung des internen Security-Teams; nützlich wenn Microsoft-Standard nicht ausreicht
Wenn Sie nur eine Sache mitnehmen
Melden schlägt Löschen. Immer. Selbst wenn Sie sich nicht sicher sind — gerade dann.
Melde-Kanal im Team kommunizieren
Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeitenden wissen, wie verdächtige E-Mails in Ihrem Unternehmen gemeldet werden — welcher Button, welche E-Mail-Adresse, welche Reaktionszeit erwartet wird. Ohne bekannten Kanal meldet niemand.